Vampire: The Masquerade - Bloodlines

(getestet von Lars, 17 Jahre)

 

Genre:                                  Rollenspiel

Plattform:                           PC

Herausgeber:                    Activision/Troika Games

USK:                                      ab 16 Jahren

spielbar ab:                       16 Jahren

Erscheinungsdatum:    19. November 2004

 

 

Fünf mögliche Enden, mitreißende Story, facettenreiche Spielwelt und sieben spielbare Clans zeichnen dieses 2004 erschienene RPG aus. Wieso es trotz sichtbarem Alter, ungewohnter Spielmechanik und einigen Spielfehlern heute noch überzeugen kann, wird nun aufgezeigt.

 

Bei Vampire: The Masquerade - Bloodlines verkörpert man einen normalen Menschen, der mehr oder weniger freiwillig mit dem Fluch des Vampirismus "infiziert" wird. Durch diesen Zwischenfall wird er in die ihm bis dato unbekannte Welt der Vampire von Los Angeles hineingezogen und mit Gewalt, Korruption und den Listen der Vampirwelt konfrontiert. 

Man wählt sich zunächst einen Clan, welcher bestimmt, welche Fähigkeiten der spielergesteuerte Charakter verfügbar hat. Jeder Clan hat dabei drei bis vier unterschiedliche Zauberarten (genannt Disziplinen) mit jeweils verschiedenen Unterdisziplinen, wobei jeder Vampir den sogenannten Blutbuff besitzt, welcher seine Grundattribute maximiert. Man kann sich also einen Clan aussuchen und dem Vampir sein gewünschtes Geschlecht sowie einen Namen geben und ein paar Fähigkeitenpunkte im komplex wirkenden, doch leicht zu lernendem "Character Sheet" (Name des Fähigkeitensystems) verteilen. Dort findet man Hauptattribute (z.B. Stärke, Intelligenz, Charisma,...), Fähigkeiten (z.B. Schlösser knacken, Nahkampf, Feuerwaffen,...) sowie die oben genannten Disziplinen. Da hört jedoch die Charaktererstellung schon auf, also muss man sich mit seinem Aussehen abfinden. Ebenso nimmt die Clanwahl Einfluss auf die Attribute des Charakters. So bestimmt sie Boni und Malusse, welche der Charakter von Natur aus auf seinen Attributen und Fähigkeiten haben wird. 

Der Charakterbogen (Quelle: eigener Screenshot)

 

Nun fängt die Hauptgeschichte an. Man wird Zeuge wie der Hauptcharakter eine Nacht mit einem anderen Menschen verbringt und - wie soll es anders sein - gebissen wird. Dabei bricht der Vampir  jedoch eines der wichtigsten Gesetze der Vampire, die namensgebende Maskerade. In dieser steht, dass man keine Unschuldigen töten soll. Egal wie. Er wird daraufhin vom stärksten Vampir von Los Angeles, dem Prinzen Sebastian La Croix (bzw. seinem Henker) exekutiert. Eigentlich soll die Hauptfigur auch exekutiert werden, doch ein anderer Vampir setzt sich für ihr Überleben ein. Nun wird sie von einem Vampir namens Jack in die Grundlagen der Spielwelt (via Tutorial) eingeführt und lernt die Sekten kennen, welche aus Camarilla, Anarchisten und Sabbat bestehen. Während die Camarilla-Vampire den Gesetzen (Maskerade) folgen und Prinzen als Stadtoberhäupter sowie einzelne "Regierende" in Stadtteilen haben, sehen die Anarchisten dies als selbstverständlich und folgen denselben Gesetzen, doch ungeschrieben und ohne direkten Anführer. Die Sabbat hingegen machen Terror und ignorieren alle Gesetze. Sie schreiben allesamt ihr eigenes Schicksal und sind verfeindet mit jeder anderen Sekte. Zu den Zwischensequenzen und Gesprächen ist anzumerken, dass es lediglich eine englische Sprachausgabe gibt, jedoch die Möglichkeit deutsche Untertitel anzeigen zu lassen. 

 

Quelle: Activision

Quelle: Activision


 

Meine Meinung: Ein so altes Rollenspiel und dennoch jetzt erst bewertet... Wieso?

Zunächst ist zu sagen, dass ich das Spiel zu einem reduzierten Preis auf Steam erworben habe und circa 3 Monate schwankte, ob ich es mir kaufen sollte und habe es nach ca. 50h Spielzeit nicht bereut. Die Atmosphäre des Spieles hat mich sofort in den Bann gezogen, auch wenn die Grafik der (Source-) Engine ebenso wie die Mechaniken der Steuerung merklich gealtert sind. Man taucht in eine düstere, groteske und ebenso humorvolle Welt mit zahlreichen Charakteren aus den verschiedenen Clans mit unterschiedlichen Persönlichkeiten und hohem Wiedererkennungswert ein. 

Auch das Kämpfen mag zuerst ungewohnt wirken. Doch bereits nach kurzer Spielzeit legt sich dies wieder. Ebenso spürt man das Alter des Spiels (welches auf der Source Engine basiert) im Kampf. Denn auch wenn dieser ähnlich dem eines modernen Spieles ist, so unterscheiden sich Schadensberechnung und Ablauf zu aktuellen Titeln, wobei zu erwähnen wäre, dass der Spielende nicht wie heute typisch mit Wegpunkten an die Hand genommen wird, sondern ein Aufgabenziel bekommt (Haupt- als auch Nebenaufgaben), und durch diverse genannte Zusammenhänge bzw. Andeutungen oftmals alleine seinen Weg zum Ziel finden muss. Ebenfalls erwähnenswert ist die Musik, welche passend die düstere unterweltartige Atmosphäre einfängt, sowie passende Soundeffekte für Schlag-/Stich- und Schusswaffen. Da die Entwicklerfirma jedoch inzwischen nicht mehr existiert, und das Spiel in seiner Standardversion viele Spielfehler mit sich bringt, empfiehlt es sich einen Community Patch (von Spielern erstelltes Update, welches auch auf Deutsch verfügbar ist) herunterzuladen, um das beste aus dem Spiel zu schöpfen, da durch diesen verschiedene Spielfehler (Grafik/Sound und Fähigkeiten betreffend) beseitigt werden. 

Ich persönlich empfinde es trotz der Mängel, die es in seiner Standardversion besitzt, als eines der besten Rollenspiele das jemals entwickelt wurde. Durch eine aktive Community gibt es inoffizielle Updates, welche einen Großteil dieser Fehler ausmerzen und dabei den Spielfluss nicht aktiv verändern. Auch nach dem ersten Durchspielen motiviert es mich durch unterschiedliche mögliche Enden, es erneut durchzuspielen, und kann es jedem empfehlen, der sich in dieses Universum hineinversetzen möchte und mit älteren Spielen kein Problem hat.